Zeit zu Schreiben

Februar 12, 2008

Verschwiegene Zeit

Gespeichert unter: Überlegungen — Elke @ 10:07 Uhr vormittags
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Gestern Abend gab es in den ARD den ersten Teil einer Dokumentation über die Zeit nach dem 2. Weltkrieg: Damals nach dem Krieg
Es ist jetzt mehr als sechzig Jahre her, dass der Zweite Weltkrieg zu Ende ging. Während man sich in den Medien inzwischen doch dem Dritten Reich und dem Holocaust gewidmet hat, werden die persönlichen Schicksale der Menschen im und nach dem Krieg noch kaum behandelt. Ich weiß nicht, wie es in anderen Familien ist oder war, aber bei uns wurde fast gar nicht über diese Zeit gesprochen. Und das, obwohl der der zweite Weltkrieg meinen Eltern viel genommen hat - vor allem eine kleine Tochter. Meine Kindheit, meine Jugend - fast mein ganzes bisheriges Leben wurde für mich davon überschattet, aber niemand hat mit mir wirklich darüber gesprochen bis es zu spät war. Meine Eltern leben nicht mehr.

Deshalb auch hier wieder meine Bitte, meine Ermutigung: wenn es Ihnen schwer fällt zu reden, dann schreiben Sie!  Schreiben für ihre Nachkommen auf, was alles passiert ist, was Sie bewegt hat. Spätestens ihre Enkel werden es eines Tages mit Sicherheit wissen wollen. Es ist nicht die Potsdamer Konferenz, über die man vielleicht mal in der Schule gehört hat, es sind die persönlichen Schicksale der Eltern und Großeltern, die für Kinder und Enkel interessant. Diese “Ahas - deshalb reagiert der Opa so komisch”, das Verstehen, zu dem es sonst nicht kommen wird. Schreiben Sie vor allem auch über ihre Gefühle, über die Dinge, die Sie bewegt haben. Fakten lassen sich in Geschichtsbüchern nachlesen.

3 Kommentare »

  1. Ich hab das gestern auch gesehen, und auch für mich sind diese Einblicke in ganz persönliche Schicksale viel interessanter, als was man sonst über die Zeit zu sehen bekommt.
    Ja, es ist wirklich schade, dass viele (inzwischen alte) Eltern darüber nicht gern reden - geschweige denn schreiben. Auch ich habe meine Mutter immer wieder gebeten, mir mehr darüber zu erzählen, aber sie will einfach nicht so recht, habe ich den Eindruck …
    Mein Vater, der leider auch schon verstorben ist, war ebenfalls nicht sehr gesprächig, so dass vieles für immer verloren ist, was ich sehr, sehr schade finde.
    Gruß - Ulrike

    Kommentar von Ulinne — Februar 12, 2008 @ 2:13 Uhr nachmittags

  2. Ich bin gespannt auf die nächsten Sendungen. Diese Bilder von den Menschen, die durch Kellerlöcher krabbelten fand ich schon erschreckend. Ich wusste auch nicht, dass ausgerechnet Dortmund so zerbombt war.

    Kommentar von eheinze — Februar 12, 2008 @ 3:20 Uhr nachmittags

  3. Ich auch nicht, obwohl ich direkt daneben aufgewachsen bin, in Holzwickede. Da war ja wirklich ratzekahl alles weg. Grauenhaft. Kann man sich in unseren gemütlichen Zeiten gar nicht mehr vorstellen - sowas.
    Und erstaunlich wie schnell die überall alles wieder aufgebaut haben. Davon bin ich immer wieder fasziniert. Schon wenige Jahre nach dem Krieg sah man - zumindest dort, wo ich ab 1953-55 als kleines Kind (bin 1947 geboren) mit meinen Eltern herumgefahren und -gelaufen bin, nix mehr von der Zerstörung zu sehen. Alles wieder ganz normal.
    Mein Gott, wie fleißig müssen die Menschen damals gewesen sein!

    Ja, die nächste Sendung will ich auch auf keinen Fall verpassen.

    Kommentar von Ulinne — Februar 13, 2008 @ 11:39 Uhr vormittags

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