Zeit zu Schreiben

Februar 14, 2008

Renaissance der Schrotthändler

Gespeichert unter: Erinnerungen — Elke @ 10:50
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Seit Jahren werfen wir keinen Müll mehr weg: wir entsorgen! Aber das im großen Stil. Vor dem alten Mietshaus stehen insgesamt vier Tonnen: drei große für Papier, für sog. Restmüll und die Gelbe. Dann gibt es noch eine kleine Tonne für Biomüll. Wegbringen müssen wir immer noch Glas zum Glascontainer und Plastikflaschen zum Supermarkt? Wann hat der Wahnsinn eigentlich angefangen?

Als ich Kind war, holten wir die Wurst, das Brot und vieles andere beim nächsten Tante Emma Laden, meist unverpackt. Für die Milch fuhr der „Milchmann“ durch die Straße und wir holten sie in der Blechkanne ab. Was heißt überhaupt „Vieles andere“? Tante Emma hatte keine zehn Joghurtsorten zum aussuchen – ich glaube Joghurt kannte man gar nicht. Dickmilch oder Sauermilch entstand manchmal von selbst, wenn man nicht aufpasste. Südfrüchte? – noch lange Zeit Fehlanzeige. Obst aß man aus dem Garten hinterm Haus, sofern man den hatte – kleine, wurmstichige, verschrumpelte Äpfel.

Und der Rest? Der Rest war kostbar. Alle paar Tage zog der Schrotthändler mit dem Pferdegespann durch das Dorf und brüllte: „Aal Eise, aale Öfe, Babier“ – was so viel bedeutet, er suchte nach Altmetall und Papier zum Wiederverwerten. Erinnern Sie sich noch?

Und heute? Seit letzter Woche zieht wieder einer durch die Straßen: „Aal Eise – alde Öfe“ – Papier wird im Moment nach wie vor „entsorgt“. Es gibt offenbar noch genügend Wälder zum Abholzen. Wieviel Recyclingpapier wird wohl im Verhältnis zu neuem Papier tatsächlich genutzt?

Nächstes Szenario: vorgestern stellten wir mal wieder Sperrmüll auf die Straße zum Abholen. Frankfurt hat einen tollen und kostenlosen Sperrmülldienst (überhaupt will ich die FES an dieser Stelle mal loben!). Wenn Metall darunter ist, kann man sich inzwischen getrost darauf verlassen, dass der Sperrmüll am nächsten Tag nichts mehr vorfindet. So wertvoll ist es inzwischen auf dem Weltmarkt wieder geworden.

Ich versuche mich beim Schreiben an meine Kindheit zu erinnern. Vom Fuhrwerk des Schrotthändlers ziehen die Gedanken weiter. Wie war das damals eigentlich? Manches ist sofort wieder da, anders verschwindet im Nebel. Aber vielleicht lässt sich die Erinnerung locken.

Ich werde die Morgengedanken wieder aufnehmen: jeden Morgen eine Seite schreiben, jetzt im Moment keine Gedanken zum Tagesgeschehen sondern Erinnerungen.

Tun Sie es auch! Ich bin sicher, es lohnt sich.

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„Schrotteln“ mit Mama – eher nicht, aber ich habe keine Ahnung, was wir transportiert haben. Mal sehen, ob mein Bruder eine Idee hat. Ich werde ihm das Bild mal mailen.

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