Seit Jahren werfen wir keinen Müll mehr weg: wir entsorgen! Aber das im großen Stil. Vor dem alten Mietshaus stehen insgesamt vier Tonnen: drei große für Papier, für sog. Restmüll und die Gelbe. Dann gibt es noch eine kleine Tonne für Biomüll. Wegbringen müssen wir immer noch Glas zum Glascontainer und Plastikflaschen zum Supermarkt? Wann hat der Wahnsinn eigentlich angefangen?
Als ich Kind war, holten wir die Wurst, das Brot und vieles andere beim nächsten Tante Emma Laden, meist unverpackt. Für die Milch fuhr der „Milchmann“ durch die Straße und wir holten sie in der Blechkanne ab. Was heißt überhaupt „Vieles andere“? Tante Emma hatte keine zehn Joghurtsorten zum aussuchen – ich glaube Joghurt kannte man gar nicht. Dickmilch oder Sauermilch entstand manchmal von selbst, wenn man nicht aufpasste. Südfrüchte? – noch lange Zeit Fehlanzeige. Obst aß man aus dem Garten hinterm Haus, sofern man den hatte – kleine, wurmstichige, verschrumpelte Äpfel.
Und der Rest? Der Rest war kostbar. Alle paar Tage zog der Schrotthändler mit dem Pferdegespann durch das Dorf und brüllte: „Aal Eise, aale Öfe, Babier“ – was so viel bedeutet, er suchte nach Altmetall und Papier zum Wiederverwerten. Erinnern Sie sich noch?
Und heute? Seit letzter Woche zieht wieder einer durch die Straßen: „Aal Eise – alde Öfe“ – Papier wird im Moment nach wie vor „entsorgt“. Es gibt offenbar noch genügend Wälder zum Abholzen. Wieviel Recyclingpapier wird wohl im Verhältnis zu neuem Papier tatsächlich genutzt?
Nächstes Szenario: vorgestern stellten wir mal wieder Sperrmüll auf die Straße zum Abholen. Frankfurt hat einen tollen und kostenlosen Sperrmülldienst (überhaupt will ich die FES an dieser Stelle mal loben!). Wenn Metall darunter ist, kann man sich inzwischen getrost darauf verlassen, dass der Sperrmüll am nächsten Tag nichts mehr vorfindet. So wertvoll ist es inzwischen auf dem Weltmarkt wieder geworden.
Ich versuche mich beim Schreiben an meine Kindheit zu erinnern. Vom Fuhrwerk des Schrotthändlers ziehen die Gedanken weiter. Wie war das damals eigentlich? Manches ist sofort wieder da, anders verschwindet im Nebel. Aber vielleicht lässt sich die Erinnerung locken.
Ich werde die Morgengedanken wieder aufnehmen: jeden Morgen eine Seite schreiben, jetzt im Moment keine Gedanken zum Tagesgeschehen sondern Erinnerungen.
Tun Sie es auch! Ich bin sicher, es lohnt sich.
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„Schrotteln“ mit Mama – eher nicht, aber ich habe keine Ahnung, was wir transportiert haben. Mal sehen, ob mein Bruder eine Idee hat. Ich werde ihm das Bild mal mailen.









Oh ja, ich erinnere mich auch noch genau daran: „Flaschen, Lumpen, Altpapier“ – da waren wir als Kinder hinterher wie die Guppies und zogen mit dem Handwagen von Haus zu Haus, um alles einzusammeln und dann zum Altstoffhandel zu bringen. Da gab’s ordentlich Geld dafür und es war schon ein kleiner Wettkampf unter Freunden, wer am Ende mehr Geld in seinen Taschen hatte. Wenn die Verpackungsindustrie damals so gearbeitet hätte wie heute, wären wir vermutlich reich geworden.
Mülltonnen hatten wir auch nicht, hinterm Haus gabs eine Aschegrube, Biomüll gabs so gut wie keinen, und wenn etwas anfiel kam’s auf den Misthaufen. Ich kann mich nicht erinnern, dass sich im laufe einer Woche irgendwo im Hause recht Müll angesammelt hätte. heute möchte man ja am liebsten einen Raum extra haben, in dem man alles schön sortiert ansammelt und dann entsorgt. Wenn ich allein daran denke, dass der Briefkasten jeden tag fast überquillt vor Werbung ud irgendwelchen Broschüren, die kein Mensch liest. Einmal pro Woche gehts zu den Containern zum Entsorgen. Ach was, mir würde jetzt noch Tausenderlei einfallen. Vielleicht schreib ich ja mal selbst was dazu.
Auf alle Fälle gefällt es mir hier beim biografischen Schreiben.
Tschüssi Brigitte
Kommentar von Brigitte — Februar 15, 2008 @ 6:55
@Blechi: Freut mich, dass dir dieser Blog gefällt. Mir fällt gerade auf, dass du schreibst, ihr hättet für das Sammeln Geld bekommen. Stefan – aber er ist Jahrgang 1948 – schreibt, dass er in der „Ostzone“ als Kind sammeln musste, vor allem Metalle aller Art. Dazu wurden die Schulkinder verdonnert, bekamen allerdings Schulfrei dafür.
Kommentar von Elke — Februar 15, 2008 @ 10:01
Wenn wir für die Schule sammeln mussten (das war aber nur papier und Flaschen), gabs kein Geld, aber auch kein schulfrei. Das war dann nachmittags. Solche Aktionen waren aber nur 1-2 Mal im Jahr. bei Stefan gabs vielleicht ganz besonders viele „rote Socken“. Ansonsten haben wir natürlich privat gesammelt. Wir haben unsere Altstoffe immer zum Händler gebracht.
Tschüssi Brigitte
Kommentar von Brigitte — Februar 15, 2008 @ 10:20
Mir gefällt es auch, dieses Blog. Und komischerweise habe ich das auch vor, habe auch schon ein bisschen angefangen, alte Fotos einzuscannen und Material zu sichten.
(Übrigens, ich bin nicht nachtragend und du hoffentlich auch nicht ;-) )
Kommentar von april — Februar 17, 2008 @ 10:08
@April: nachtragend – nee, wieso? Entweder steh ich gerade auf der Leitung oder . . .? Also keine Ahnung, warum du das schreibst.
Kommentar von miyelo — Februar 18, 2008 @ 6:36
Noch besser, Miyelo, wenn du es gar nicht mehr weiß. Dann lass uns also fröhlich bloggen :-)
Kommentar von april — Februar 19, 2008 @ 3:33