Zeit zu Schreiben

Februar 27, 2008

Nicht jedes Gedicht ein Treffer

Gespeichert unter: Lyrik — Elke @ 10:16 Uhr vormittags
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Bevor ich anfing Gedichte zu schreiben und begeistert einen Lyrikworkshop mitmachte, habe ich über die Werke der “Großen” nie sonderlich nachgedacht. Goethe, Schiller, Heine, Rilke - das sind Namen, die man kennt und nicht in Frage stellt. Inzwischen finde ich allerdings - und das ist für mich durchaus ein Verdienst des Internets - dass es viele Menschen gibt, die genau so schön schreiben und andersrum gedacht: auch die “Großen” waren nicht immer perfekt. Heute mal ein Frühlingsgedicht von Rilke, das ich zur Diskussion stellen will:

Will dir den Frühling zeigen,
der hundert Wunder hat.
Der Frühling ist waldeigen
und kommt nicht in die Stadt.
Nur die weit aus den kalten
Gassen zu zweien gehn
und sich bei den Händen halten -
dürfen ihn einmal sehn.


Rainer Maria Rilke

Die erste Strophe finde ich gut gelungen, mal abgesehen davon, dass ich nicht behaupten möchte, dass der Frühling nur im Wald erlebt werden kann.
Es ist eher die zweite Strophe, die mich stört. Ich finde sie holprig, sie passt nicht zum flüssig zu lesenden ersten Vers. Und warum dürfen ihn die Liebespaare nur “einmal” sehen? So war es sicher nicht gedacht. Der Inhalt, der Gedankengang selbst, der hat was. Das will ich gar nicht bestreiten.

Für mich ist dieses Gedicht ein Beispiel dafür, dass auch unseren bekannten Dichtern nicht alles perfekt aus der Feder geflossen ist und es sollte eine Ermutigung für uns sein, nicht vor großen Namen das Haupt in Demut zu senken, sondern selbst zu schreiben.

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